Gleich der erste Wagen hielt an. Ein erstaunter Spanier fragte mich in gebrochenem Englisch,
was ich so früh anstellen wollte. Meine Antwort: Ich möchte sehen, wie auf Fuerteventura gefischt
wird, entlockte ihm nur ein überraschtes Lächeln. "Good luck my friend." War sein einziger Kommentar.
"Take care."
Renato stellte mich noch seinem Sohn Renato vor, wie ich am 13. Juli 1956 geboren. Der Großvater,
ebenfalls Renato wurde auch noch herzlich begrüßt. Ganz zum Schluss wurden wir den Damen des Hauses
vorgestellt. Ich überlegte noch sehr müde, warum ich mich eigentlich so quäle, da sah ich dann im
Hafen das erste Mal das Boot. Es war ein winziges Ruderboot. Mein dünner Kamerad hielt mich für
völlig verrückt, überhaupt mit dieser Nussschale auf das offene Meer hinauszufahren. Da mein
Spanisch definitiv nicht existierte und ich mich auf Englisch und mit Händen und Füßen zu verständigen
versuchte, hatte ich keine Möglichkeit, den Höllentrip schon in der Entstehung zu verhindern.
Wir stiegen alle vier in das wacklige Boot. Renato jr. entfernte sich mit uns rudernd und singend vom
Strand. Mein dünner Begleiter wurde immer blasser. Mir wurde jetzt doch etwas mulmig zumute, denn die
Dünung war sehr hoch und die Bordwand des Ruderbootes war nur knapp fünf Zentimeter von der
Wasseroberfläche entfernt.
Ich beruhigte mich nur mit dem Gedanken, dass auch Renato sen. mit 75 Jahren diese Art der Fischerei
bis heute überlebt hat. Wir fuhren gerade auf ein schönes großes Fischerboot zu, dass ca. 100 Meter vom
Strand entfernt vor Anker lag, als Renato dem Jungen der dort an Deck stand, etwas zurief.
Plötzlich setzte sich dieses "Traumschiff" (natürlich nur im Vergleich zu unserer Nuckelpinne) in unsere
Richtung in Bewegung. Wir gingen Längsseits, Renato trug die Ausrüstung auf das andere Boot und uns
forderte er auf, das Schiff zu wechseln. Böse waren wir darüber wirklich nicht. Renato erzählte uns
mit seiner perfekten Zeichensprache, dass das Fischerboot, denn darum handelte es sich erst jetzt,
zu viel Tiefgang hatte, um dicht an den Strand zu fahren.
Mir war jetzt schon viel wohler, während Frank, mein Begleiter die ersten Symptome der Seekrankheit
bemerkte. Dabei hatten wir das offene Meer überhaupt noch nicht erreicht. Der abenteuerliche Fischzug
wurde dann auch akribisch und fachmännisch vorbereitet.
