Zuerst wurden große Mengen Krebse aus Stellnetzen geholt und ein paar hundert Sardinen mit einem
kleinen Schleppnetz "geerntet". Gut gelaunt holten wir das Netz wieder ein, realisierten aber ein
gewaltiges Gewicht und einen zappelnden Widerstand. Jetzt wurde unser Renato unruhig, denn ein
großer Stachelrochen hatte sich darin verfangen. Mit viel Mühe gelang es ihm das große, sich
wehrende Tier zu befreien, ohne das teure Netz zu zerstören oder sich selbst zu verletzen. Der
Schwanz des Rochens peitschte durch die Luft und wir hatten alle Mühe, vor dem zackigen Dorn an
der Oberseite zu flüchten. Schließlich hielten die Renatos den Fisch fest.
Wir inspizierten den Rochen ausgiebig und gaben ihm die Freiheit wieder. Dann setzten wir unsere
Fahrt zu den "westafrikanischen Jagdgründen" fort. Nach einer Stunde Fahrt erreichten wir ein
Riff, das so Renato, aus 300 Metern Tiefe bis auf drei Meter unter die Wasseroberfläche aufragte.
Ein Spielplatz für kleinere Fische. Um dieses Riff halten sich die Jâger auf wie zum Beispiel
Thunfische oder auch große Haie.
Die beiden Fischer belächelten noch meine Angel, die ihnen wohl nicht für den Fischfang geeignet
schien und boten mir einen Weidenkorb mit ca. 500 Metern brauner geflochtener Schnur und einem
eindrucksvollen Haken an. Renato jr. steckte sich zwei Stücke Leder auf Zeigefinger und Daumen
und bedeutete mir, es ihm gleichzutun.
Wir befestigten je eine ganze Sardine am Haken und ließen diese mit der Strömung vom Boot abdriften.
Jetzt wurden noch zwanzig bis dreißig Sardinen zerhackt und zerdrückt. Diese stinkende und blutige Masse
wurde langsam um das Schiff im Wasser verteilt, um die großen Räuber anzulocken.
Renato lachte laut über meine etwas verdrehte Haltung Ich musste mich zwischen Kajüte und Bordwand
einkeilen, denn der Seegang war doch sehr beeindruckend.
In gleichmäßigen Abständen zog er an seiner Schnur, um eine Bewegung der Sardine vorzutäuschen.
Ich tat es ihm gleich. Die nächsten zwei Stunden wurden wir langsam von der Sonne gedörrt und
unsere Eingeweide durchgeschaukelt, bis Frank uns dann schließlich zeigen musste, was er zum
Frühstück gegessen hatte. Dies schien ein Signal für die Fische gewesen zu sein. Jetzt ging es Schlag
auf Schlag. Die Schnur sauste mir zwischen den Fingern hindurch und schlug in der Luft Kapriolen.
