ohne dass ich auch nur die Andeutung einer Chance hatte,
diese zu bremsen, zwischen meinen Fingern hindurch. Ich ließ vor Schreck los,
denn ich hatte Angst, einen Finger in einer Schnurschlaufe zu verlieren oder mich an
der Schnur zu verbrennen. 250 bis 300 Meter hatte das Ungetüm bereits aus meinem Weidenkorb
gerissen, da wagte ich noch einmal leicht zu bremsen. Ich hatte das Gefühl, ein Motorrad mit
der Hand anhalten zu wollen.
Die beiden Spanier hatten ihre Schnüre eingeholt und halfen mir, die verdrillten Schlaufen
im Zaum zu halten.
Wütend wehrte sich mein Fisch in mittlerweile knapp 300 Meter Abstand vom Boot.
Selbst Frank hatte seine Übelkeit völlig vergessen und zückte seine Kamera. Die beiden Spanier
wollten übernehmen, aber ich konnte ihnen diesen "Fisch meines Lebens", wie ich meinte, nicht
überlassen. Nach zwei Stunden hatte ich 200 Meter der Schnur wieder im Korb. Meine Arme wurden
immer länger und ich bekam durch die Sonne gewaltige Kopfschmerzen. Zwanzig Meter eingeholt,
fünfzehn Meter wieder verloren. So ging es eine geschlagene weitere Stunde und ich wusste
immer noch nicht, was zum Teufel da am Haken hing.
Ich wollte schon aufgeben, da blitzte ein weißlicher Schatten 10 Meter neben dem Boot und
circa einen Meter unter der Oberfläche. Meine gesamte Energie war plötzlich wieder da.
Meter für Meter zwang ich den Fisch an die Bordwand. Jetzt konnten wir ihn endlich sehen.
Es war ein stattlicher Hammerhai. Ich schätze, ungefähr 2 ½ Meter lang.
Ich war mehr als begeistert - der Hai weniger.
Renato gestikulierte wild, um den Bootshaken zu bekommen. Vorsichtig wurde der Hai über die
Bordwand gewuchtet. Der Bootsmann hatte alle Hände voll zu tun, um nicht selbst in Gefahr zu
geraten. Ausgerechnet jetzt hatte Renato seinen ersten Fisch an der Leine. Professionell
setzte er den Anschlag, um den Haken ganz in den Kiefer des Fisches zu treiben. Nach nur
zwanzig Minuten hatte er einen sehr großen Thun im Boot. Ich schätze, über 50 Kilo schwer.
Die beiden Fischer waren nach dieser Glanzleistung sichtlich beruhigt. Zufrieden wurde der
Motor für die Rückfahrt gestartet. Wir gratulierten uns mit gegenseitigem Schulterklopfen und
rauchten gemeinsam die Zigarette danach. Selbstverständlich Marlboro, mit dem Geschmack von
Freiheit und Abenteuer.
