Regenwald, üppige Vegetation und die einbrechende laue Tropennacht faszinierten uns alle. Plötzlich die
Stimme eines Kindes im vorderen Teil des Busses: "Mama, guck mal ein Reh!"
Erstaunt blickten wir nach vorn, es war ein großes, fettes Opossum und es hatte nicht einmal die Spur
einer Ähnlichkeit mit einem Reh.
Nach zwei Stunden Schlaglöchern und dem ersten nächtlichen Eindruck unseres Tropenparadieses, erreicht
wir unsere Bungalowanlage. Schlagbäume mussten durchfahren werden, bewaffnete Wächter patrouillierten
an den Hotels und schützen die Touristen vor den Einheimischen.
Wir wussten allerdings damals noch nicht, dass eigentlich eher die Natur dieser Inseln, die Kultur der
Menschen und deren freundliche, offene Haltung uns Fremden gegenüber, vor dem Tourismus bewahrt werden
müssten.
Erst einmal die alten Klamotten runter. Unter die Dusche und ein neues T-Shirt und Shorts. Herrlich, man
fühlte sich wie Neugeboren. Nur Anke, die unter ihren durchgetanzten Fußsohlen gewaltig litt, ließ sich
doch sehr gerne von Andreas über die Schwelle des soeben bezogenen Bungalows tragen.
Noch ein schneller Rumpunsch an der Bar, dann überfiel uns die Müdigkeit. Am nächsten Morgen durchstreiften
wir erst einmal die nähere Umgebung der Anlage. Palmen, ein laues Lüftchen, leckeres Frühstück, der
Tag fing gut an.
Ein Bad im Pool und der erste Eindruck des Karibischen Meeres, erfüllte nicht dass, was wir erwartet
hatten. Grauer Sand, Unmengen kleiner Fliegen und kein türkises, klares Wasser.
Aber egal, es war ja nur der sogenannte Hotelstrand. Der erste Abend bei Rum-Punsch und Reggae, erfüllte
allerdings ganz andere Erwartungen, die im Lauf der Reise unser Karibikfeeling entstehen ließen.
Dieses Gefühl verbindet uns heute mit Saint Lucia. Ob in Übersee oder in Deutschland. Wie oft haben
wir seitdem das "Irie man!" gehört, wenn wir einfach auf Verdacht in eine Gruppe Farbiger gegrüßt haben,
beim Vorbeifahren mit dem Auto oder zu Fuß.
Ein Lächeln oder auch ein breites Grinsen, manchmal auch ein langes Gespräch waren die Folge. Nur so
kann man die Scheu vor dem Fremden, das ja gar nicht so fremd ist, sondern nur neu und anders, besiegen.
Alles Menschen wie wir, nur mit unterschiedlicher Hautfarbe, Religion oder Geschichte.
