wie lange wir denn noch gehen würden. Wir bemühten uns alle, sehr gelassen zu erscheinen und
beruhigten uns damit, dass dieser Weg uns ja irgendwo hin führen musste.
Nach einer weiteren halben Stunde machten wir dann eine Rast, um uns zu beraten. "Um sechs wird´s dunkel!"
entgegnete uns Uwe, ein Berliner Polizist. Dieser Satz tat schnell seine volle Wirkung.
Jeder stellte sich die Nacht im Regenwald vor: Meterlange Pythons, Vogelspinnen, Kakerlaken,
Blutegel und was die Tropen sonst noch alles zu bieten haben. Unsere Pause war schlagartig beendet
und man drängte, doch schnell weiter zu gehen. Fünf Uhr abends und immer noch kein Ende in Sicht!
Unsere Unruhe steigerte sich, denn keiner wusste auch nur annähernd, wo wir uns befanden. Nichts
mehr zu trinken, kein Kompass und keine menschliche Ansiedlung weit und breit. Ich stand jetzt im
Mittelpunkt. Der Pfadfinder... .
Eine Viertelstunde später bemerkte Bianca an einer Lichtung zwei riesige metallische Kochtöpfe.
Die Fantasie unserer Frauen malten ein düsteres Bild kanibalischer Ureinwohner und die Spannung war
auf dem Siedepunkt.
Plötzlich gab der Berg den Blick auf ein Dorf, circa zwei Kilometer von uns entfernt und 400 Meter
unter uns, frei. Noch 500 Meter und wir konnten endlich sicher sein, vor der Dämmerung, die ja in den
Tropen sehr kurz ist, dieses Dorf zu erreichen.
Ein älterer Rasta mit langen Dreadlocks, der typischen Filzfrisur, saß am Weg und fragte uns, was wir
denn hier wollen. Ich berichtete ihm über unsere Odyssee und fragte nach einer Möglichkeit, einen offenen
Lastwagen zu mieten, der uns zu unseren Autos zurückbringt. Er sagte, wie schon so oft gehört
"No problem, man."
Mit einer ungeheuren Geschwindigkeit für sein schon stark fortgeschrittenen Alter, sauste er unter
Zuhilfenahme seiner Machete quer zu den Serpentinen den Berg hinnunter. Wir gingen weiter, allerdings
den normalen Weg. Nach einigen Minuten sahen wir plötzlich die beiden Pitons, zwei zuckerhutähnliche
Berge, die Wahrzeichen Saint Lucias, vor uns auftauchen. Da wir an der Atlantikseite losmarschiert waren,
war uns spätestens jetzt allen klar, dass wir nach fünf Stunden Gewaltmarsch und 21 Kilometern die
karibische Seite der Insel erreicht hatten. Unsere Autos standen
