also auf der anderen Seite der Insel.
Wir begriffen erst viel später, wie viel Glück wir hatten, noch vor der Dunkelheit dieses Dorf zu
erreichen. Kurz vor der Siedlung empfingen uns zwei mit Macheten bewaffnete Rastafarians und der Alte,
den wir oben auf dem Berg getroffen hatten. Einer von ihnen als Vorhut und zwei als Nachhut setzten wir
uns Richtung Dorf in Trab.
"Wenn du es zischen hörst, zieh den Kopf ein, das ist die Machete!" meinte Andreas mit einem müden Lächeln.
Uns war nicht mehr nach Lachen zumute.
Im Dorf angekommen, umringte uns gleich eine Schar Kinder, um die ihrer Ansicht nach weiße Farbe von den
Armen Biancas abzurubbeln. Sie umringten uns und rieben lachend ihre kleinen, schwarzen Hände an Biancas
Haut.
Erschöpft fragten wir nach etwas zu trinken und man führte uns zu einer Wellblechhütte am Ende des Dorfes.
Ein großes Schild an der Tür: 7 up - gleichzusetzen mit kaltem Getränk - ermutigte uns einzutreten.
Der Innenraum entsprach voll und ganz unseren Erwartungen. Dunkel, muffig, nur ein gammeliger Tresen,
eine Kerosinlampe, eine sehr spartanische Einrichtung.
Ein grinsender Farbiger, etwa 1.95 m groß, der uns in Erwartung einiger Dollars nach unseren Wünschen
fragte: "Irie man, what do you like to drink, I make you spezial price, man... ." Was er unter einem
Spezial Price verstand, für Freunde des Hauses natürlich, entpuppte sich als Frechheit. Fünf Dollar für
eine Flasche warme Brause! Wir reduzierten laut protestierend auf einen Dollar.
Er öffnete ein Loch im Boden, aus dem er einige Flaschen holte. Er reinigte diese grob von Sand und gab
sie uns geöffnet. Eine warme Brühe, süß und klebrig, aber in unserer Verfassung besser als der beste
Champagner, ergoss sie sich in unsere ausgedörrten Kehlen. Gierig vernichteten wir seinen Getränkevorrat.
Plötzlich ein Hupen vor dem Haus und einige Fehlzündungen. Vor der Tür stand das merkwürdigste Fahrzeug,
dass wir bisher auf dieser Insel gesehen hatten. Jedes bis dato verrostete Teil war durch ein Stück Holz
ersetzt worden. Sicherlich, wie bestellt, ein offener Lastwagen, aber was für einer!
