Der Kapitän war ein Kanadier und auf die Frage nach dem Preis sagte er gelassen: "360 Dollars, half day".
Dies war ein beträchtlicher Teil unserer Reisekasse, aber die Verlockung war einfach zu groß.
Die Vorstellung, den ganz großen Fisch zu fangen, siegte über die Vernunft. Andreas wollte dann auch
lieber im Hotel bleiben und sein Geld sparen. Bianca entschied sich aber mitzukommen und wir verabredeten
uns für sechs Uhr morgens mit der Besatzung.
Wir erreichten pünktlich das Schiff und wurden von einem so typischen Amerikaner begrüßt.
(Hawaii-Hemd Bermudas, Kamera um den Hals, Zigarre im Mund), dass wir mächtig erstaunt waren,
als er uns in bestem "Schwitzer-Dütsch" begrüßte.
Er stellte sich als Einkäufer für Volkswagen Deutschland vor und machte einen sehr netten Eindruck
auf uns. Selber fischen wollte er gar nicht, sondern nur zuschauen. Mir persönlich war es egal,
Hauptsache er bezahlt die Hälfte des Bootspreises. Ich fing nur zwei Barrakudas und einen Bonito,
aber wir hatten großen Spaß mit der netten Besatzung und haben uns alle hervorragend unterhalten
und amüsiert. Wir stellten fest, dass wir den gleichen Rückweg hatten und boten ihm an, ihn zum
Hotel zurückzubringen. Dankend nahm er an und holte ein dickes Dollarbündel aus der Tasche.
Ein toller Tag sagte er und bezahlte den gesamten Preis für das Boot, das Essen und alle Getränke.
Eine Chance, dies abzulehnen, gab er mir nicht. So hatte ich am Abend die Möglichkeit, Andreas und
Anke zur Rum-Punsch-Party einzuladen und einen Teil des gesparten Geldes in einem leckeren karibischen
Menü anzulegen.
"So hätte ich die Tour auch mitgemacht!" gab sich Andreas enttäuscht. Allerdings wäre erst nach dem
Fang eines Blue Marlin eine Enttäuschung berechtigt gewesen.
Saint Lucia war in jedem Fall für uns der richtige Einsteiger für die späteren Reisen. Keine
Impfungen keine negativen Erfahrungen, nette Menschen und die ersten Kontakte zu andersfarbigen
Menschen.
Reisen erweitert gewaltig den Horizont und "open minded" zu sein heißt für uns, ohne Vorurteile
Fremden gegenüber zu sein, uns ein eigenes Bild zu machen und abzuwägen, welchen Eindruck wir
hinterlassen, wenn wir in fremde Kulturen eindringen. Man wird aber auch sehen, was der Tourismus
für Schäden an der Natur und den Menschen anrichtet.
