Billigprodukt eines namhaften Optikers aus Deutschland, für das Papa bestimmt keinen Pfennig dazu
bezahlt hätte. Jetzt hatte ich die richtige Lösung gefunden. Als er sich verabschiedete und ging,
sah ich jedoch was ich angerichtet hatte. Der stolze Massai-Krieger ging als Faschingsfigur, mit
Federschmuck mit seinen Stammeszeichen mit Turnschuhen und Sonnenbrille. Ich hatte durch meine
Anwesenheit auch dazu beigetragen, ein Stückchen kenianischer Kultur zu beseitigen.
Man kann sicher den Lauf der Geschichte nicht aufhalten, es ist aber bedrückend wie schnell es gehen
kann. Am nächsten Morgen sind wir mit Charly, einem ausgewanderten Deutschen, der seit Jahren in Kenia
lebt, mit seinem Boot zum Big-Game Fischen gefahren. Mit uns an Bord unsere Lübecker Freunde und zwei
Bayern mit einer Prostituierten. "Wir teilen sie uns." wurde mir gesagt. "Das spart Geld und Stress."
Das Mädchen, höchstens 16 Jahre alt, schien allerdings froh zu sein, gleich zwei zahlende Kunden zu haben,
die vielleicht auf diese Art und Weise eine ganze Familie ernähren würden. Dass die Aids-Quote in Kenia
eine der höchsten in der Welt ist, schien keinen der Beiden zu interessieren.
Kenia, Thailand und auch die Philippinen sind Länder, in denen die Frauen nicht viel zu sagen haben.
Die Väter sind stolz und froh, Söhne zu bekommen und haben auch nicht viel dagegen, dass eine gut
gewachsene Tochter durch diesen Job die Haushaltskasse aufbessert.
Tausende gut situierter deutscher Touristen bevölkern die Bars in Übersee und nehmen oft eines dieser
Mädchen als Frau mit nach Deutschland. Vielleicht aus dem Grunde, dass ihnen die Frauen in unserem
Lande zu emanzipiert sind und sie ein NEIN nicht dulden können. Aber auch diese Frauen lernen sehr
schnell wie eine Mastercard funktioniert und Luxus wird schnell zum liebgewordenen Standard.
Charly rief den Beiden zum Abschied noch zu: "Lasst die Nutten in Ruhe, denkt an Aids!" Relativ sinnlos... .
Als wir uns verabschiedeten, übrigens nur von den kenianischen Strandhändlern und den freundlichen
kenianischen Angestellten des Hotels, gaben wir unserer Nachtwache, mit der ich mich oft abends lange
unterhalten habe, unseren Vorrat an Malariamedikamenten. Wir haben für den Fall der Infektion
