Mrs. Lewis bittet zu Tisch
Nach der Fertigstellung unseres neuen Hauses im schönen Mecklenburg, verfügten wir als frischgeborene Wossies (Wessies mit Osterfahrung) 1993 endlich wieder über das nötige Kleingeld, um wieder eine neue Fernreise zu realisieren.Die Sehnsucht nach karibischem Feeling war wieder größer geworden. Wir entschieden uns für die Inselrepublik Trinidad und Tobago. Vor der Küste Venezuelas gelegen, sollte dieses Ziel noch typische Karibik vermitteln und noch nicht vom Massentourismus frequentiert sein. Ich ließ mir vom dortigen Büro für Tourismus eine Liste der Guesthouses und Familienpensionen faxen.
Wir entschieden uns für das Bacolet-Plantation-House dem Refugium von Mrs. Irene Lewis, die sich mir im ersten Telefonat als "Auntie Lou" (Tante Lou) vorstellte. Sie schickte uns einen Brief mit Fotos und vielen Informationen von Tobago.
Wir flogen für nur 1200 DM nach Scarborough, der Hauptstadt Tobagos. Die alte Lady wollte für eine Übernachtung 50 US-Dollar mit Frühstück und Abendessen. Damals 100 DM für zwei Personen, das war OK! Der Flug war im Vergleich zu den letzten Reisen extrem kurz, nur zehn Stunden. Unser Taxifahrer erzählte uns auf dem Weg von Scarborough, dass diese Insel das Refugium der Schwarzen sei und sie alle sehr stolz darauf wären, sich immer an ihre Vergangenheit zu erinnern. An die Zeit als ihre Vorfahren als Sklaven zu Tausenden in die Karibik deportiert wurden und hier auf Tobago wieder eine Heimat gefunden haben. Aus der ganzen Welt kommen die Farbigen nach Tobago, ob reich oder aus dem Mittelstand. Sie treffen sich, diskutieren und singen zusammen ihre traurigen oder lustigen Balladen, die auch in Deutschland als Kalypso zu hören sind.
Unsere Mrs. Lewis entpuppte sich als ältere, feine Lady, die trotz ihrer 75 Jahre erstaunlich fit und voller Energie war. In ihrem Haus wohnte außer uns noch Judy, eine Nichte, die in London studiert hatte. Durch das Gefühl, als Farbige ausgegrenzt zu sein, flüchtete sie zurück nach Tobago. Sie war Sekretärin in einem Büro in Scarborough. Beide nahmen uns sehr herzlich auf. Unser Zimmer war sehr schôn groß und sehr sauber. Während unserer Unterhaltung stellte sich heraus, dass der Besitzer der
