Sean hatte während unserer Reise nach Carriacou Mantarochen in der Nähe von Little Tobago gesehen, einer
kleinen Insel im Süden. Er wollte mir noch die Chance bieten, auf Tobago diese majestätischen Tiere zu
erleben. Auf dem Weg zum Tauchplatz schwamm ein großer Delphin neben unserem Boot und zeigte uns seine
tollen Sprünge.
Bianca hat schon viele Jahre den Traum, einmal mit freilebenden Delphinen zu schwimmen und zu schnorcheln,
aber unser Schönling Jim, der als Tauchlehrer bei Sean arbeitete und sich selbst als "Handsome Jimmy!"
bezeichnete, hielt Bianca von ihrem Vorhaben ab.
Es gibt hier viele große Haie. Deshalb war ich ganz dankbar, Bianca in einem Stück wieder mit nach Hause
nehmen zu können. Die Tauchzeit näherte sich schon fast ihrem Ende, als Jim mich auf einen Manta aufmerksam
machte, der sich unserer Gruppe näherte. Ich war freudig überrascht, als das riesige Tier vor mir
abtauchte und neugierig einen Looping direkt vor meinem Körper machte.
Der Wasserdruck seiner flügelartigen Flossen schob mich deutlich zur Seite. Er schwamm noch einige Minuten
um uns herum und setze dann seinen Weg in das "Große Blau" fort. Eines der Taucherlebnisse, die heute am
tiefsten in meinem Gedächtnis verankert sind. Die Walhaie der Similans einmal ausgenommen.
Wir bekamen am Abend eine Einladung von Tante Lou, an einem Heimatabend der Tobagonians teilzunehmen.
Wir fuhren nach dem Abendessen, das es mal wieder kalorienmäßig in sich hatte, mit dem PKW nach
Scarborough. Wir waren unter den 150 Anwesenden die einzigen Weißen. Man bot uns freundlich einen Platz
direkt vor der Bühne an. Viele Interpreten gaben ihr Können als Sänger und Darsteller zum Besten. Manchmal
traurig, manchmal lustig oder ironisch, wurden die Probleme der Bevölkerung vermittelt.
Im Calypsorhythmus wurde auch über den Tourismus auf Tobago erzählt, über die Touristen, die mit Kameras
bewaffnet über die Insel ziehen und sich oft nicht wie Gäste benehmen. Wie überheblich diese oft sind und
wie in Sklavenzeiten über die Einwohner verfügen.
Auch über die Tatsache wurde gesungen, dass der Grund und Boden schon wieder an Europäer oder reiche
Amerikaner verkauft würde. Die Einheimischen arbeiten wieder nur als Bedienstete in den
