Ich fragte Abram, was hier ein Huhn kostet und steckte dem Alten 500 Peso zu. „Für die Familie!“ sagte
ich lächelnd. Er nahm das Geschenk an und die ganze Familie freute sich sichtlich über den unerwarteten
Geldsegen. Für uns war es ein bisschen beschämend, welchen Reichtum man ansammelt und sehr schnell
nicht mehr zu schätzen weiß.
Die Tiere wurden von dem gleichen Wasser getränkt, das die Familie zu sich nahm. Wir haben noch etwas
getrockneten Tintenfisch probiert, der in der Sonne dörrte. Eiweiß ohne Geschmack, dafür aber mit viel
Geruch. Abram kletterte noch in einen Papayabaum und schon war der Nachtisch gesichert.
Uns hat dieser Tag den Horizont deutlich erweitert. Wir freuen uns mehr über Kleinigkeiten und schätzen
die Herzlichkeit der Armen mehr, als die teilweise verlogene Großzügigkeit der Reichen in Deutschland.
Uns wurde auf unseren Reisen so viel Gastfreundschaft entgegengebracht, dass wir oft peinlich
berührt waren. Es wird noch geteilt, wenn es kaum noch etwas zum Teilen gibt. Eine Erwartungshaltung
von Kindern haben wir auf den Philippinen noch nie erlebt. Ein kleines Geschenk löst hier noch
große Freude aus. Laisa und ihr Mann standen noch lange winkend am Strand, während die Insel
Susan kleiner und kleiner wurde.
Am letzten Tag mieteten wir uns zwei Tricycles, Motorräder mit Beiwagen, um uns einen Wasserfall,
ein Kloster und die kleine Hauptstadt näher anzusehen. Abram wollte noch etwas mit der Gouverneurin
der Insel besprechen. Der erste Weg führte uns zum Regierungsgebäude. Wir warteten im Vorzimmer und
man sagte uns freundlich, dass die Dame bei dem Präsidenten Ramos in Manila sei. Ihre Sekretärin rief
in Manila an und informierte über unsere Anwesenheit. Wir durften uns alle in das Gästebuch
eintragen. Dann wurden wir in ihr Regierungszimmer geführt. Abram war sichtlich stolz über diese Ehre.
Der Wasserfall war dann mehr als enttäuschend. Nach einer Stunde Fahrt und einer weiteren Stunde
Kletterei war nur ein in der Trockenzeit winziges Rinnsal zu entdecken. Das Kloster war aber sehr
interessant. Die Mönche verkaufen dort Marmelade und Honig. Wir durften bei ihren Gesängen zuschauen
und sogar filmen.
Allerdings belustigten uns zwei Dutzend Schilder, die an den unmöglichsten Stellen angebracht waren.
Nicht spucken, nicht laut reden, keinen Müll liegen lassen, bis hin zu Öffnungszeiten des kleinen
Shops und einige Preislisten. Unser Mitbringsel war ein Glas Mangokonfitüre und die Erinnerung an
