Wir wurden vom Hotel früh morgens abgeholt und zu einer mehr als abenteuerlichen Eisenbahnstation
südlich Kota Kinabalus gebracht. Eine merkwürdige Art Schienenfahrzeug wartete auf uns. Waldarbeiter,
die zur Rodung des Regenwaldes seit Jahrzehnten in den Dschungel gebracht werden mussten, haben
diese Art des Transportes in Borneo geprägt. Borneo Adventure and Expeditions hatten etwa zehn
Touristen mit Jeeps herangekarrt, aus Japan, Amerika und Europa. Sechs davon waren wir. Die andern
Vier hatten arge Probleme mit ihren Beinen. Es kam uns vor, als wenn sie Gummi statt Muskeln in den
Oberschenkeln und Waden hätten. Wir fragten schon am sogenannten Bahnhof, was die Ursache ihrer
merkwürdigen Gangart sei. Die Antwort ließ uns Aufhorchen. Beide Pärchen hatten den Mount Kinabalu
bestiegen, den höchsten Berg Südostasiens, 4107 Meter hoch, unser nächstes Ziel.
Uns stand also noch eine mächtige Strapaze bevor. Unsere kleine europäische Reisegemeinschaft hatte
zuhause ordentlich für diese Bergbesteigung trainiert. Ich bin drei mal in der Woche gejoggt, Bianca
war fast täglich im Fitnessstudio und die beiden Österreicher hatten schon einige kleine Berge in
der Umgebung von Linz bestie
gen. Hans war durch seine Sportschule für fernöstliche Kampfsportarten in Rotterdam sowieso vorbelastet.
Mit den Gedanken an die herannahende Kletterpartie und mitleidigen Blicken auf die vier gehbehinderten
Touristen begann die Fahrt durch den Regenwald, immer in Sichtweite des Flussbettes. Die Schienen gaben
uns einen Weg frei durch grüne nebelverhangene Berge, vorbei an einheimischen Siedlungen, deren Bewohner
uns immer wieder herzlich grüßten. Im Hintergrund sahen wir schroffe Felsabhänge, die mit Moos dicht und
grün eingepackt waren, meterhohe Baumfarne und abenteuerlichen Brückenkonstruktionen über tiefe
Schluchten. Vor uns das tobende Wildwasser.
Je tiefer wir mit unserem merkwürdigen Schienenfahrzeug in den Dschungel eindrangen, desto wilder
führte sich der Fluss neben uns auf. Das Donnern überdröhnte schon die Geräusche des Zuges. Bianca
freute sich sichtlich, auf dieses Risiko verzichtet zu haben. Helga und Yvette waren ihrer Sache
auch nicht mehr so sicher, wenn sie auch den Männern und Bianca gegenüber einen selbstsicheren Eindruck
