übernahm
die Videokamera und ich trug die Fotoausrüstung. Der Weg führte uns im Dunkeln über steile Stiegen
und mit Seilen über 600 Meter Höhenunterschied zum Gipfelplateau. Zum Glück war Vollmond. Auch ohne
Lampe war der Weg ganz gut zu erkennen. Die Vegetation beschränkte sich auf einiges Moos und Flechten,
es wurde empfindlich kalt. Frost war jedoch auf dem Kinabalu nicht zu erwarten. Alle paar Meter mussten
wir anhalten, weil uns die Luft knapp wurde.
Ich spürte meinen eigenen Herzschlag deutlich und fragte mich, ob das Infarktrisiko bei 40-jährigen
schon größer sei. Ich beruhigte mich aber bei dem Gedanken, dass ich ja 1993 das Rauchen aufgehört
hatte und so eine bessere Kondition haben müsste. Einige Japaner hatten mit uns den Aufstieg gewagt
und zwei Koreaner redeten ununterbrochen auf einander ein. Wir fragten uns beide, wo sie die Luft
für die Schnatterei hernahmen.
Der Himmel war pechschwarz. Die Milchstraße funkelte in ihrer vollen Schönheit. Einige Sternschnuppen
zischten über den Himmel und manchmal konnten wir trotz der Erschöpfung den spektakulären Gedanken an
unsere Bergbesteigung bei Nacht doch genießen.
Die letzten 200 Meter bis zum Gipfel waren gesundheitlich schon bedenklich. Hans wurde plötzlich schlecht
und ich überlegte, was bei einem Unfall oder einer Herzattacke gemacht werden konnte. Keine Bergwacht,
kein Funkgerät, keine Erste-Hilfe Ausrüstung. Eigentlich ganz schön leichtsinnig. Aber auch für Hans,
dem Leistungssportler und Lehrer einer Sportschule, für Karate und Hapkido, war diese Anstrengung
ungewohnt. Alle 20 Meter hielten wir an, um zu verschnaufen und schließlich erreichten wir um 5.30 Uhr
den Gipfel. Drei Koreaner und vier Japaner standen mit uns am Gipfelkreuz wir schüttelten uns die Hände
und umarmten uns wie alte Gipfelstürmer. Der Sonnenaufgang war ein unglaubliches Erlebnis. Über uns der
blauschwarze Sternenhimmel, zwei Gewitter mit schönem Wetterleuchten in sicherer Entfernung ein
aprikotfarbener Sonnenaufgang, der sich in alle Rottöne steigerte und das dichte Grün des Regenwaldes
mit den Nebelschwaden unter uns am Fuße des Bergmassivs.
Hans hatte seine Karatekleidung bis auf den Gipfel mitgeschleppt, um ein paar eindrucksvolle Bilder für
seine Sportschule zu bekommen. Für die typischen Karateposen verknipste ich einen ganzen Film,
