Reise. Wir hatten zwar alle die Hoffnung,
dass wir sehr nahe an die Affen herankommen würden. Dass aber diese Tiere unsere Nähe suchen würden, damit
hatten wir nicht gerechnet. So betraten wir nach der obligaten Eintrittsgebühr einen intakten Teil des
Primärwaldes, der zur Auswilderung dieser Tiere dient. Man kann sich in der Station ein paar Filme
ansehen, die von der Abholzung des Regenwaldes berichten (Es ist der Regierung also absolut bewusst,
welche Probleme mit der Vermarktung der Natur auf Sabah zukommen) und verletzte oder elternlose Tiere
zeigen, die mitleiderregend auf sich aufmerksam machen.
Wir marschierten auf einem schmalen Weg in den Wald und einige neugierige Tiere waren auch bald zu sehen.
Wir wurden darauf aufmerksam gemacht, dass man keines der Tiere berühren darf. So zerplatzte Biancas
Traum, die Hand oder das Fell zu berühren, wie eine Seifenblase. Nach kurzer Pause konnten wir bei
der Fütterung der Babys zusehen und einige ausgewachsene Tiere beobachten, die mit uns Kontakt aufnehmen
wollten. Ein Mädchen, das die auffordernd ausgestreckte Hand eines Orang-Utans berührte, wurde ein
schönes Foto, das sehr zum Nachdenken anregt. Ich entschied mich, zusammen mit Bianca unsere kleine
Gruppe zu verlassen und allein einige Wege zu gehen. Wir waren noch keine 500 Meter gegangen, als es
im Unterholz rumorte. Eines dieser Tiere kam direkt auf uns zu. Durch die Größe etwas verunsichert,
waren wir mit unserer geplanten Kontaktaufnahme gar nicht mehr so sicher. Dem Orang-Utan war ein Arm
amputiert worden und er bewegte sich etwas hilflos, fast rollend auf uns zu. Bevor wir reagieren konnten,
hing der Affe auch schon an Biancas Bein und machte den Eindruck, endlich seine Mutter wiedergefunden zu
haben. Bianca war nicht sicher, ob das Saugen an ihrem Oberschenkel nicht schnell zu einem Beißen werden
würde und ich machte schnell ein paar Bilder. „Hilf mir lieber,“ rief Bianca, anstatt auch noch Fotos
zu machen, wie er mich beißt!“ So schnell wie die Begegnung kam, war unser Orang-Utan auch wieder im
Wald verschwunden. Unser Guide war etwas sauer, das wir die Gruppe verlassen hatten, konnte aber
Verständnis dafür aufbringen, den Tieren allein etwas näher zu kommen.
Es ist schon tragisch, dass ein modernes Land wie Sabah mit dem Wissen um die arg beschädigte Natur
Borneos noch massiv Gelder aus dem Mitleid um diese Tiere zieht. Auf jeden Fall ist der Besuch
