Gruppe.
Bianca lehnte dankend ab. Gegen 20 Uhr verließen wir, ausgerüstet mit Lampen und Kompass, das Schiff.
Gelassen dümpelten wir am Grund entlang und genossen die intensiven Farben und den unglaublichen
Eindruck eines Nachttauchganges. Eine kleine Gruppe koreanischer Taucherinnen startete von einem
zweiten Boot, etwa 100 Meter von uns entfernt. Die Strömung war immer noch sehr stark. Plötzlich
klopfte mir jemand auf die Tauchflasche. Ich drehte mich erschrocken um, erblickte den koreanischen
Tauchlehrer der Damen vom Nachbarschiff. Von seinen Mädels keine Spur.
Er gab mir zu verstehen, das er durch die Strömung seine Gruppe verloren hatte. Wie peinlich und
gefährlich. Nach einer Stunde entschieden wir uns aufzutauchen und waren eigentlich sicher, dass wir Dank guter Navigation in der Nähe des Schiffes waren. Leider hatten wir sehr falsch gepeilt und waren zwei Kilometer entfernt aufgetaucht. Nachts an der Oberfläche zurückzuschwimmen heißt, mit dem Gedanken an hungrige Großfische 20 Minuten Adrenalinausstoß zu erleben, bevor wir das sichere Deck des Schiffes erreichten. Die Gruppe Koraner hatte durch die Strömung auch falsch gepeilt und tauchte in etwa 200 Meter Entfernung von uns auf. Gemeinsam bewegten wir uns zum Schiff zurück und hielten die Damen mit Gruselgeschichten von hungrigen Schnappmäulern bei Laune... .
Die Erinnerung an solche Erlebnisse hält lange an und trägt zu ihrer hoffentlich angenehmen Lektüre bei.
Am zweiten Tag erreichten wir den Richelieu-Rock, einen Felsen, der unerwartet aus der Tiefe der
Andamanensee aufragt. Bei Niedrigwasser ist die Spitze des Riffs gerade noch unter Wasser.
Wir hatten per Funk Verbindung zu anderen Tauchschiffen, die leider alle keine Sichtungen von Walhaien
zu verzeichnen hatten.
Als wir den Anker warfen, war die Aufregung und die Spannung schon so groß, dass niemand von uns mehr
redete. Schweigend zogen wir unsere Anzüge an und bereiteten uns auf den Tauchgang vor. Bianca war sehr
aufgeregt, ließ sich aber die Unruhe nicht anmerken.
Dieser solitäre Felsen in der Similan-See ist für häufige Walhai-Sichtungen weltbekannt. Fünf Tauchschiffe
lagen schon vor Anker und per Funk erfragte unser Kapitän laufend die Situation der Tauchgruppen.
Walhaie waren leider schon seit drei Wochen nicht gesichtet worden.
